Rede zur Eröffnung der Eibenstocker Märchenweihnacht am 29.. November 2025
Sehr geehrte Damen und Herren, Liebe Gäste aus Nah und Fern,
Sehr geehrte Bürgerschaft
Ich möchte Sie sehr herzlich hier vor unserer Ortspyramide in Eibenstock am Vorabend des 1. Advents begrüßen und freue mich, dass Sie so zahlreich den Weg hierher gefunden haben, um gemeinsam den Weihnachtsmarkt zu eröffnen und in die Adventszeit zu starten. Besonders begrüßen möchte ich auch die Gäste unseres Ortes, die gemeinsam mit der Eibenstocker Bürgerschaft dieses Ereignis feiern möchten. Ein besonderer Gruß geht an unsere Freunde aus der Partnergemeinde Biebertal insbesondere Frau Bürgermeisterin Ortmann, die wir sehr herzlich hier in Eibenstock begrüßen. Mit den Klängen der Bergkapelle Johanngeorgenstadt haben wir Sie hier bereits eingestimmt. Ein herzliches Dankeschön gilt daher den Musikern der Bergkapelle Johanngeorgenstadt. Wir freuen uns sehr, dass ihr jedes Jahr hier diesen Auftakt mitgestaltet.
Bevor wir hier unsere Ortspyramide anschieben, möchte ich wie in jedem Jahr ein wenig zum Nachdenken und Innehalten anregen. Hinter uns liegt ein ganz besonderes Jahr. Zu Ehren von Clara Angermann haben wir ein ganzes Festjahr gestaltet, in dem vielfältigste kulturelle Höhepunkte unser gemeindliches Leben bereichert haben und wo sich viele Menschen aller Altersgruppen sehr engagiert eingebracht haben. Die Liste der Aktivitäten ist sehr lang, daher möchte ich beispielhaft das Historienspiel „Hunger“, die Sonderausstellung im Schatzhaus, den historischen Markt, Claras Liedertour, das Rockevent „Clara meets Tabaluga“, das Musical „Clara“ und vieles andere mehr nennen. Historische Figuren aus der Zeit Clara Angermanns wurden im Rahmen des Holzbildhauersymposiums gestaltet. Sie laden nun auf den Marktplatz ein und erzählen von unserer Stadtgeschichte. Besonders erfreulich ist die sehr creative Aufnahme dieses Themas in den Schulen der Stadt. Hervorzuheben sind dabei die Namensgebung der Grundschule Eibenstock in „Grundschule Clara Angermann“ und die Projektwoche in der Oberschule, ohne die vielen weiteren Aktivitäten nicht zu vergessen. Ich denke, es ist uns gelungen, dieser historischen Persönlichkeit unseren jungen Mitbürgern nahe zu bringen und die eigene Stadtgeschichte bekannt bzw. bewusst zu machen.
Mit dem Clara-Angermann Jahr 2025 haben wir einen sehr würdigen Beitrag zum Kulturhauptstadtjahr in unserem Regierungsbezirk geleistet und überregional viel Aufmerksamkeit bekommen. Ich möchte mich im Namen unserer Bürgerschaft und auch ganz persönlich bei allen bedanken, die vor und hinter den Kulissen mitgewirkt und viel Freizeit für die verschiedenen Projekte geopfert haben. Es waren so viele, so dass ich hier und heute keine Einzelnen hervorheben möchte. Unser Ort hat wieder einmal gezeigt, wie viel Potential wir haben. Und es ist ja auch noch nicht ganz zu Ende. Wir erleben heute Abend gegen 18:00 Uhr eine Zeitreise durch 250 Jahre Clara Angermann mit einer Lasershow. Außerdem greifen ja auch unsere vielen Weihnachtsveranstaltungen und Hutz’n-Abende dieses Thema auf.
Was ich auch als sehr positiv einordnen möchte, ist diese eine große Botschaft, die wir in den vielen Projekten zum Ausdruck bringen konnten. Nämlich dass es immer wieder in unserer Geschichte Zeiten größter Not und Verzweiflung gab. Und wenn dann die Menschen mit Mut und Engagement ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen, wenn sie durch Ideen und Fortschrittsdenken neue Wege gehen, wenn sie mit Gottvertrauen und Demut an den Erfolg glauben, dann wird sich ihr Leben und das der gesamten Gemeinschaft wieder zum Guten wenden. Das was hundertfach auch in anderen Städten und Gemeinden unseres Landes immer wieder geschah, sollte uns in der heutigen Zeit Mut machen.
Man muss kein Prophet sein, um zu sehen, dass wir heute wieder in einer Zeit leben, in der der Rückgang der Wirtschaft unsere Lebensgrundlagen bedrohlich aushöhlt. So wie damals der Bergbau zusammenbrach und Missernten die Situation verschärften, verlieren wir heute landesweit jeden Tag Unternehmen und damit Arbeitsplätze. Unser Geschäftsmodell Deutschland stand noch nie so infrage wie heute. In einigen Technologien haben wir den Anschluss verloren. Bei Rohstoffen und bei bestimmten Fertigungskomponenten wie beispielsweise Halbleiterchips oder Medikamente sind wir so abhängig von autokratischen oder korrupten Staaten, dass schon eine werteorientierte Äußerung eines hochrangigen Politikers ausreicht, um die Bänder eines Autowerkes in Deutschland stillstehen zu lassen. Es muss uns allen klar sein, dass wir ohne eine gesamtgesellschaftliche Strategie zur Minimierung unserer wirtschaftlichen Risiken und zum Aufbau durchgängiger nationaler Lieferketten sehr schnell absteigen werden. Dann werden uns auch keine Geldverteilungsdebatten mehr helfen, denn es wird kein Geld mehr zum Verteilen geben. Was dies für alle sozialen Sicherungssysteme bedeutet, brauche ich nicht weiter zu vertiefen.
Wir müssen wieder zur Unabhängigkeit zurückfinden. Und das geht nur, wenn wir als Gesellschaft die zunehmende Wirtschaftsfeindlichkeit ablegen und eigene Ressourcen aufschließen. Wir haben genügend Rohstoffe, doch wir nutzen diese nicht, weil uns andere Dinge wichtiger sind, als deren wertschöpfende Bedeutung. Wenn schon der Schattenwurf eines Bauzauns ein gesundheitliches Risiko darstellt, dann wird bald keiner mehr einen Bauzaun aufstellen wollen.
Auch in unserem Ort spüren wir bereits sehr deutlich, wohin wir steuern. Die demografische Entwicklung gibt Grund, sich Sorgen zu machen. Deshalb möchte ich uns alle ermutigen, den Geist von damals wieder in unsere Herzen zu lassen und Mut für neue Ideen zu haben. Lassen Sie uns alle gemeinsam weiter daran arbeiten, dass Menschen in unsere Region ziehen und dass wir unsere regionale Wertschöpfung an erste Stelle setzen. Dann werden wir auch das Glück des Tüchtigen haben.
Glücklicher Weise gehören zur Realität auch viele positive Dinge. Aus gemeindlicher Sicht freuen wir uns darüber, dass wir trotz aller Krisen eine stabile finanzielle Lage hatten. Seit vergangenen Jahr sind wir als Stadt schuldenfrei. Projekte wie das Vereinshaus, das ehemalige Stadtambulatorium in Eibenstock, das Hirschkopfhaus in Carlsfeld und die Straßenbauvorhaben stehen für eine weiterhin gute Entwicklung. Mit den privaten Investitionen wie z.B. die Erweiterungen der Badegärten und des Touristenzentrum „Am Adlerfelsen“ sowie der neuen Gießerei im Gewerbebiet Am Sonneneck entstanden neue Kerne für die Wertschöpfung im Ort. Darüber hinaus gelangen uns viele kleine Projekte, die überall in unserem Gemeindeterritorium sichtbar sind. Unser Dank gilt allen, die sich für die Entwicklung in unserem Ort einsetzen und die auf diese Weise für Lichtblicke sorgen.
Wir sind stolz auf unser Erzgebirge und seine 800-jährige Wirtschaftsgeschichte. Als d a s Weihnachtsland zeigen wir Menschen im Erzgebirge mit dem vielen Licht in den Fenstern und Wohnungen sowie auf den Straßen und Vorgärten sehr eindrucksvoll, dass wir unsere Traditonen pflegen. Ich danke allen, die auch in diesem Jahr trotz Energiepreise und Ungewissheit ihre Lichter wieder angezündet haben. Sie vereinen uns Erzgebirger und sie vereinen alle, die in diesem Jahr Weihnachten viel bewusster feiern werden als sonst in den vergangenen Jahren.
Zu Weihnachten gedenken wir der besten Botschaft, die es je gegeben hat. Gott ist Mensch geworden und zu uns in die Welt gekommen. Er ist gekommen, um Frieden und Versöhnung zu bringen. Angesichts der immer noch andauernden Kriege wollen wir auch in diesem Jahr zu Weihnachten ganz besonders an diese Botschaft denken. Es gibt überall auf der Welt Menschen, die unter Krieg, Repression und echter wirtschaftlicher Not leiden. Auch das sollte uns immer bewusst sein und uns bewegen. Deshalb sollen unsere Weihnachtslichter auch denen leuchten, die bei uns leben, weil Sie vor Krieg und Elend geflohen sind. Auch wenn sie in manchen Dingen anders sind wie wir, gehört es zu einem friedvollen Weihnachtsfest dazu, sich auch ihnen zuzuwenden.
Der Eibenstocker Weihnachtsmarkt beginnt wieder mit dem traditionellen Märchenumzug, der in wenigen Minuten hier an uns vorbeiziehen wird. freue ich mich trotzdem, dass wir Ihnen einen kleinen Weihnachtsmarkt präsentieren können, der aber in Sachen kulturelles Programm wegen des Clara-Angermann-Jahres mehr als den vorangegangenen Jahren bietet.
Ich bedanke mich im Namen unserer Bürgerschaft ganz besonders bei allen, die in den vergangenen Wochen an der Vorbereitung dieses Wochenendes mitgewirkt haben. Ein besonderes Dankeschön möchte ich zuerst dem Bauhof unserer Stadt entgegenbringen, die in der Vorbereitung des Platzes immer alle Hände voll zu tun haben. Auch danke ich Enrico Oswald und der Firma LEC für die Vorbereitung des Kulturprogrammes, dem Erzgebirgischen Heimatverein, und dem Gewerbeverein für die Unterstützung beiden Vorbereitungen. Besonders erwähnen möchte ich auch die Auszeichnung des Teams für den Märchenumzug als Ehrenamt des Monats durch unseren Landrat. Ein großes Lob möchte ich auch unserem Tourist-Service-Center Eibenstock aussprechen. Sie hielten die Gesamtorganisation des Weihnachtsmarktes in ihren Händen und mussten vieles nebenbei organisieren. Einen großen Dank vorab möchte ich dem städtischen Reinigungsteam und allen Helfern sowie dem Spülteam des Kulturzentrums aussprechen, die für einen reibungslosen und sauberen Ablauf der Veranstaltungen sorgen werden.
Freuen wir uns nun darauf, an diesem Wochenende gemeinsam den 1. Advent auf dem Eibenstocker Weihnachtsmarkt verbringen zu können. Ich wünsche Ihnen und ihren Familien für die bevorstehende Vorweihnachtszeit, zu Weihnachten und auch für das neue Jahr alles Gute, Gottes Segen sowie Glück, Gesundheit und Schaffenskraft. Beginnen wir nun den Eibenstocker Weihnachtsmarkt mit dem Anschieben unserer Pyramide.
Uwe Staab (Bürgermeister)




