Grußwort zur Tagung Verband der Wasserkraftanlagenbetreiber am 24. Oktober 2025 im Hotel „Am Bühl“ Eibenstock
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit einem herzlichen „Glück auf!“ möchte ich Sie hier in Eibenstock, der Stadt des „Glück auf – Grußes“, ganz herzlich begrüßen. Ich freue mich sehr, dass Sie den Weg in unsere Gemeinde im westlichen Erzgebirge gefunden haben. „Eibenstock jederzeit …“, so lautet seit einiger Zeit unser Slogan, hinter dem mittlerweile eine komplette Imagekampagne und ein komplettes Corporate Design für unsere Tourismusentwicklung stehen. Seien Sie uns recht herzlich willkommen.
Sie sind Gast in einem Ort, der mit 112 km² eine der flächengrößten Gemeinden des Erzgebirges ist. Er entstand in der heutigen Form aus 3 freiwilligen Gemeindezusammenschlüssen und hat heute 9 Ortsteile, wobei Eibenstock der Kernort ist. Zu unserem Territorium gehören der Auersberg mit 1.018 m Höhe und die 3 Trinkwassertalsperren Eibenstock, Carlsfeld und Sosa.
Die Stadt Eibenstock mit ihrer 850-jährigen Geschichte ist ein gutes Beispiel dafür, wie Wirtschaft ständig den Standard und die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen verbessert hat. Dabei fanden viele Strukturwandelprozesse statt. Im 12. bis 14. Jahrhundert prägte die Landwirtschaft unseren Ort, dann kam der Bergbau, der im 18. Jahrhundert plötzlich zum Erliegen kam. Im 19. und 20. Jahrhundert prägte die Stickereiindustrie die Stadt Eibenstock, die quasi Weltruhm durch einzelne Stickereiprodukte erlangte. Mit dem Bau der Trinkwassertalsperre Eibenstock und den infrastrukturellen Veränderungen im Erzgebirgsvorland sanken die Standortbedingungen für die Stadt Eibenstock so erheblich, dass eine Weiterentwicklung der industriellen Strukturen bereits zur DDR – Zeit abrupt stoppte.
Nach der Wende haben wir mit unserer schwierigen Topografie natürlich keine Chance, ein größeres Werk zur Herstellung von Produkten zu bekommen, wie sie etwa an den Autobahnabfahrten überall in Sachsen und in den anderen Bundesländern entstanden sind. Deshalb stehen wir wieder vor der großen Aufgabe, einen Strukturwandelprozess unter Rückbaubedingungen meistern zu müssen.
Wir haben dies in den vergangenen Jahren versucht und auch kleinere Erfolge feiern können. Diese gelangen nur, weil wir mit Service, Innovation und Engagement unsere Aufgaben angegangen sind. Dass wir heute wieder 150.000 Übernachtungen und mehr pro Jahr haben, verdanken wir einigen Einrichtungen und der Ortsentwicklung, die sich diesem Prinzip unterordnete. Und damit schließt sich der Kreis zum Thema Ihrer heutigen Tagung.
Sie sind heute nach Eibenstock gekommen, um über das Thema Wasserkraft zu sprechen. Dieses reiht sich ein in die wohl wichtigste Angelegenheit der Gegenwart, nämlich die Frage nach einer stabilen, effizienten und preisgünstigen Energie. Gestatten Sie mir, 3 Gedanken Ihren Beratungen voranzustellen.
1.
Neue Wege in der Wirtschaft sind notwendig. Darüber besteht kein Zweifel. Viele verstehen aber unter neuen Wegen immer noch und oft den Grundsatz: „Schneller, höher weiter“. Ich denke, dass die Zeit dieses Grundsatzes zu Ende ist, weil doch Fehlentwicklungen immer wieder unsere Wirtschaft zurückwerfen und Unschuldige dem Fehlverhalten einiger Weniger zum Opfer fallen. Ich könnte mir vorstellen, dass das Prinzip in Zukunft lauten muss: „Solider, nachhaltiger, gesünder“. Dabei kann weniger manchmal viel mehr sein.
2.
Das Erzgebirge ist das am meisten industrialisierte Mittelgebirge Deutschlands. Das kam nicht von ungefähr. Besonders hier hat man infolge der Bergbauentwicklung überall Systeme der Energiegewinnung aus der Wasserkraft geschaffen, die lange Zeit ein stabiler Lieferant preisgünstiger und umweltfreundlicher Energie war. Die Industrie entwickelte sich in den Flusstälern, wovon heute noch viele Hammerherrenhäuser zeugen.
3.
Die Wasserkraft wird meines Erachtens in der gesamten Energiepolitik zu sehr hinten angestellt. Die Genehmigung von diesbezüglichen Anlagen wird aus einem falsch umgesetzten Umwelt- und Naturschutzgedanken behindert und eingeschränkt. Dabei gibt es heute längst technische Lösungen, die Wasserkraftnutzung und den Umwelt- und Naturschutz miteinander in Einklang bringen können. Ich bin der Meinung, dass man gerade in den Mittelgebirgen die Erfahrungen unserer Altvorderen wieder ausgraben und in die moderne Zeit übertragen sollte.
Ich darf Ihnen für Ihre Tagung einen erfolgreichen Verlauf mit interessanten Vorträgen und Diskussionen wünschen. Möge die Tagung mit dazu beitragen, allgemeingültige und gute Ideen für neue Wege der Wasserkraftnutzung in Deutschland hervorzubringen. Ich wünsche allen einen angenehmen Aufenthalt in unserer schönen Bergstadt Eibenstock und Ihrer Veranstaltung einen guten Verlauf.
Uwe Staab (Bürgermeister)




