15. April 2025 Grußwort zur Übergabe der Gedenktafel zum Todesmarsch Mülsen St. Micheln Wolfsgrün

Grußwort zur Übergabe der Gedenktafel zum Todesmarsch Mülsen St. Micheln Wolfsgrün am 15. April 2025

Sehr geehrte Damen und Herren,

nachdem wir nun alle wichtigen Stationen des Todesmarsches von Mülsen St. Micheln bis Eibenstock/Wolfsgrün begangen und besichtigt haben, sind wir nun am Ende dieser sehr beeindruckenden Gedenkfahrt angekommen, um die letzte von 7 Gedenktafeln zu übergeben. Ich möchte Sie dazu herzlich hier auf dem Territorium der Stadt Eibenstock begrüßen.

Die Stelle, an der wir uns hier befinden, ist die Einfahrt bzw. Ausfahrt (wie man es nimmt) zum Bahnhof Wolfsgrün. Vor uns sind noch die Reste der alten Bahnhofsbrücke zu sehen, hinter der sich der Bahnhof in Wolfsgrün befindet. Auf diesem Bahnhof wurden am 15. April 1945 die noch verbliebenen der ursprünglich 787 KZ-Häftlinge auf einen Güterzug verladen, der die Gefangenen zum Außenlager Leitmeritz (heute Litomerice) abtransportieren sollte.

Nachdem es in Niederschlema diese entsetzlichen Exekutionen gegeben hat, wurde der Marsch der Häftlinge in Richtung Muldetal weitergeführt. Über Burkhardtsgrün gelangte man dann zur Bahnlinie Chemnitz-Adorf.

Es ist nicht 100-prozentig genau nachgewiesen, ob die Verladung der Häftlinge in Wolfsgrün oder in Blauenthal erfolgte. Aufgrund der günstigen Lage des Bahnhofs Wolfsgrün an der Muldetalstraße ist dieser Ort hier am wahrscheinlichsten. Der Häftling Joseph Weiß sprach hinterher von einer kleinen Bahnstation. Von hier fuhren die Häftlinge dann über Klingenthal, Graslitz auf die heutige tschechische Seite und fuhren dann weiter den Egergraben entlang bis nach Aussig, dem heutigen Usti nad Labem. Von dort erfolgte das letzte Stück Wegstrecke bis Leitmeritz, wo dann etwa 350 Häftlinge übergeben wurden.

An die Bahnverladung erinnert diese kleine Tafel, die wir hier und heute übergeben. Neben den Informationen zu diesem Todesmarsch erfährt man darauf auch die noch rekonstruierbaren Informationen an diesen Tag in Wolfsgrün.

In Eibenstock sind noch mehrere Todesmärsche bekannt. So durchzogen die Häftlinge von Flossenbürg auf dem Weg aus dem Vogtland auch Eibenstock aus Schönheide kommend in Richtung Johanngeorgenstadt. Auch ein Häftlingszug durch Sosa in Richtung Jägerhaus/ Steinheidel von Buchenwald-Häftlingen aus Berga an der Elster sind bekannt. Davon zeugen überall Gedenksteine. Wir als Stadt Eibenstock pflegen diese Gedenksteine. Insbesondere haben wir am Konradsheider Weg eine große Gedenkstätte vor zwei Jahren wieder neu hergerichtet. Damit wollen wir das Gedenken an eine barbarische Terrorherrschaft wachhalten.

An diesem Punkt hier werden wir voraussichtlich in diesem Jahr die Brücke neu sanieren und damit den Lückenschluss für den „Mulderadweg“ in Richtung Schönheide durchführen. Wir haben vor, neben dieser Tafel eine Sitzgruppe zu errichten. Die Entscheidung, die Sitzgruppe nicht auf dem direkten ehemaligen Bahnhofsgelände zu errichten, fiel aus ganz pragmatischen Gründen. Die Nähe zur Kläranlage Wolfsgrün sorgt für ein nicht allzu schönes Ambiente für eine Sitzgelegenheit bzw. für das Verweilen hier an der Gedenktafel. So haben wir uns entschieden, die Tafel einige 100 Meter flussabwärts zu verlegen.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich für die Initiative zur Gestaltung dieses Projektes bei den LEADER-Regionen „Westerzgebirge“ und „Zwickauer Land“ bedanken. Auch danke ich allen Akteuren, die alle Informationen zusammen getragen haben und die die Tafeln gestaltet haben. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Uwe Staab (Bürgermeister)