Rede zur Eröffnung des Hirschkopfhauses in Carlsfeld am 11. Dezember 2025
Sehr geehrte Frau Staatsministerin,
Sehr geehrter Landtagsabgeordneter,
Sehr geehrter Herr Landrat,
Sehr geehrter Ortsvorsteher,
Sehr geehrte Damen und Herren Gäste,
für Erfolg im Tourismus gibt es einen einfachen, aber entscheidenden Grundsatz: „quality makes the difference“. Was so viel heißt wie „Qualität macht den Unterschied“. Der Bundesverband Deutsche Mittelgebirge e. V. (VDM) sieht die Mittelgebirge
- als „Authentische Natur- und Kulturlandschaften“,
- als „Vielseitige Freizeit- und Erholungsräume“ und
- als Regionen, die mit Qualität, Natur- und Umweltverträglichkeit langfristig konkurrieren und sich profilieren müssen.
Darüber hinaus sieht der Verband uns als Mittelgebirge auch als Aktiv- und Gesundheitsregionen, die durch Tourismus Wirtschaftskraft und Wertschöpfung in die ländlichen Räume bringen. Und wenn man bedenkt, dass Reisen der einzige Zusammenhang ist, indem Menschen überhaupt einmal aufmerksam um sich blicken, dann muss man keine großen Erklärungen abgeben, weshalb man ständig immer wieder nach neuen Ideen und Angeboten suchen muss.
Ich freue mich sehr, Sie heute hier zur Eröffnung des „Hirschkopfhauses“ in Carlsfeld begrüßen zu dürfen. Heute machen wir einen weiteren Schritt, um die Qualität des Tourismus auf unserem Gemeindeterritorium mit einem weiteren Kleinod zu erhöhen. Wir befinden uns hier am Erzgebirgskamm am Rand eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete in Sachsen. Er ist gekennzeichnet durch ein ausgeprägtes Wegenetz und weist für eine ganzjährige Nutzung beste Voraussetzungen auf. Aufgrund der Höhenlage von durchschnittlich über 900 m ist es sowohl im Winter als auch im Sommer ein attraktiver Naturraum, der viel Platz für Bewegung und Erholung in freier Natur bietet.
Deshalb ist es wichtig, diese Voraussetzungen durch entsprechende Angebote zu ergänzen, die für einen modernen qualitätsorientierten Tourismus unbedingt erforderlich sind. Ich erinnere mich noch sehr gut an zahlreiche Diskussionen und auch Presseveröffentlichungen, wo das Fehlen von Funktionen wie Toiletten, Umkleidemöglichkeiten oder auch Aufenthaltsbereiche am Erzgebirgskamm in unserer Gemeinde stark kritisiert wurden. Mit einem Funktionsgebäude sollte diese Lücke nun geschlossen werden. Und heute stehen wir vor dem fertigen Hirschkopfhaus und freuen uns nun darüber, dieses Ziel erreicht zu haben.
Ich kann nicht beurteilen, wie lange man für ein solches Projekt in anderen Tourismusregionen Europas oder auch in der Welt braucht. Wir haben dafür mehr als 10 Jahre gebraucht und lediglich einen 1. Bauabschnitt für das Gesamtkonzept geschafft. Was musste nicht alles geklärt werden, bevor wir überhaupt in die Lage versetzt wurden, einen Förderantrag zu stellen? Es begann mit dem Erwerb dieses 20 ha großen Waldareals hier auf dem Hirschkopf, das wir durch Grundstückstausch bzw. Kauf vom Freistaat Sachsen erworben haben. Schon allein dies war eine sehr komplexe Aufgabe, weil zu den verständlichen Grundprinzipien des Freistaates gehört, eigentlich keinen Wald abzugeben. Nach vielem Hin- und Her konnte die Fläche für die Kommune freigegeben werden. Dies war aber die Grundvoraussetzung dafür, um überhaupt ein Projekt dieser Art anzugehen.
Danach folgten die Ausgliederungsanträge aus der Schutzzone I des Naturparks Erzgebirge/Vogtland und weiterer Schutzgebietskategorien. Der Antrag auf Waldumwandlung schien schon am Anfang zu scheitern, weil wir die Ersatzaufforstung auf vier Grundstücken im Ortsteil Blauenthal vom Landratsamt nicht genehmigt bekommen haben.
Makabererweise kam vor 14 Tagen das Urteil zur Klage der Stadt Eibenstock gegen die Ablehnung des Erstaufforstungsantrages durch das Landratsamt vom Verwaltungsgericht Chemnitz. Ergebnis - die Klage der Stadt Eibenstock wurde abgewiesen. Begründung - es handelt sich um eine Bergwiese und die Untere Naturschutzbehörde hat immer Recht. Ein Bürgermeister könne gar nicht beurteilen, was schutzwürdig ist. Nun stelle man sich vor, wir hätten diesen fast 3 Jahre währenden Klageprozess abwarten müssen, bevor wir einen Förderantrag stellen konnten. Noch nicht ein Stein wäre heute hier auf den anderen gesetzt worden. Da wir glücklicherweise auch wieder mit Unterstützung des Freistaates eine andere Fläche gefunden haben, konnte die Waldumwandlung dennoch genehmigt werden.
Für mich stellen sich hier zwei grundsätzliche Fragen. Die erste Frage betrifft die Naturschutzgesetzgebung. Flächen aufgrund des Vorhandenseins bestimmter Arten a priori unter Schutz zu stellen, kann nicht mehr zeitgemäß sein. Hier müssen wesentlich mehr Voraussetzungen erfüllt werden. Unser gesamtes Gemeindeterritorium ist nach der Lesart des Naturschutzgesetzes mit Bergwiesen überzogen. Demnach dürfte hier nirgendswo mehr etwas passieren. Die zweite wesentliche Frage, die ich aufwerfen möchte, ist die nach der Notwendigkeit einer Waldumwandlung für touristische Investitionen. Sicherlich muss man einen Abfahrtshang anders bewerten als einen Radweg. Deswegen muss in der Gesetzgebung eine Vorfahrt für den Tourismus gekoppelt werden mit Differenzierung des jeweiligen Vorhabens. Und genau an dieser Stelle reden wir über das, was fast wöchentlich in Politik und Medien diskutiert wird – das Thema „Entbürokratisierung“. An vielen Beispielen auf unserem Gemeindeterritorium könnte man eine Doktorarbeit darüber schreiben, wie man durch Entbürokratisierung Projekte beschleunigt. Doch darüber weiter zu argumentieren, wäre ein abendfüllendes Programm.
Durch ein großes Stehvermögen ist das „Hirschkopfhaus“ Carlsfeld nun Wahrheit geworden. Darüber können wir uns freuen, insbesondere deshalb, weil wir damit auch den Startschuss für ein umfangreiches touristisches Entwicklungsprojekt hier in unserem höchstgelegenen Ortsteil geben. Carlsfeld und Weitersglashütte sollen aufgrund der sauberen Luft zu einem Luftkurort entwickelt werden. Dazu braucht es Infrastruktur, naturräumliche Voraussetzungen und natürlich auch ein gastronomisches Angebot mit entsprechenden Übernachtungsmöglichkeiten. Diesem Projekt haben wir ebenfalls bereits Vorschub geleistet, indem wir das alte Glaswerk vor 3 Jahren abgerissen haben. Das darauf geplante Ferienzentrum ist ebenfalls sehr weit vorangetrieben worden. Wenn alles gut läuft und der Investor seine Absichten wahrmacht, wird in 2026 der Startschuss für das Feriendorf unterhalb des Hirschkopfhanges fallen. Das „“ selbst soll dann bei der Kurortentwicklung eine zentrale Rolle in der Angebotsprofilierung spielen. Hier sollen die touristischen Attraktionen des Ortes zusammengeführt und koordiniert werden.
Neben dem Gebäude des Hirschkopfhauses wurde in diesem 1. Bauabschnitt auch die Zufahrtsstraße und die medientechnische Erschließung realisiert. Insgesamt hat dieses Projekt 3,7 Mill. Euro gekostet. Der Freistaat Sachsen beteiligte sich mit einer Förderung über das Programm „GRW-Infra“ mit einer Summe von 2,509 Mill. Euro. Eigentlich gingen wir von 3,25 Mill. Euro Gesamtkosten aus. Aufgrund verschiedener Entwicklungen, insbesondere bei den Baupreisen, konnten wir die Gesamtkostenhöhe nicht einhalten. Aber mit 15 % Mehrkosten haben wir jetzt auch nicht Verhältnisse wie beim Projekt „Stuttgart 21“.
Wir möchten uns beim Freistaat Sachsen und insbesondere auch bei der Landesdirektion Chemnitz für die großzügige und sehr hilfreiche Unterstützung bei diesem Projekt bedanken. Wir wissen diese Unterstützung zu schätzen und sehen darin auch ein Indiz dafür, dass der Freistaat gerade die touristische Entwicklung auf unserem Gemeindeterritorium im Blick hat. Das Projekt reiht sich ein in die großen Investitionen der vergangenen zwei Jahre auf unserem Territorium z. B. mit den Badegärten Eibenstock oder auch mit Wurzelrudis Erlebniswelt in Eibenstock oder auch den vielen Kleinprojekten, die parallel immer wieder mitgestaltet werden. Ohne diese finanzielle Unterstützung wäre alles schlicht und ergreifend nicht möglich. Insofern muss an dieser Stelle auch einmal die gewaltige Leistung unseres Landes für die Entwicklung seiner Regionen gewürdigt werden.
Das Gebäude selbst ist sehr gut gelungen. Außen wie innen ist es ein echter Hingucker. Mit dem Bau der Obergeschosse aus Holz wollen wir als Stadt einen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit und Wertschöpfung leisten. Die Wertschöpfung aus Holz in unserer Region zu platzieren, wo das meiste Holz Sachsens wächst, ist eine unserer langfristigen Strategien für unsere Entwicklung.
Was uns als Gemeinde auch sehr freut ist, dass mit dem Ski-Club Carlsfeld e. V. ein Betreiber gewonnen werden konnte, der die Materie bestens kennt. Seit Jahren sorgen sie für das Präparieren der Loipen auf unserem Abschnitt der Kammloipe und sorgen auch für die Unterhaltung der touristischen Infrastruktur am Erzgebirgskamm. Damit können nunmehr zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Neben der bereits erwähnten Verbesserung der Aufenthaltsqualität können nun hier vor Ort auch die Unterhaltung der touristischen Einrichtungen mit der entsprechenden Werkstatt im Keller dieses Hauses auf ein neues Niveau gehoben werden. Wir wünschen dem Ski-Club Carlsfeld und seinen engagierten Mitgliedern, dass sie bei der Betreibung des Hauses mit Ideenreichtum und Engagement auch den Erfolg haben, den wir alle für Carlsfeld brauchen.
In Kürze werden wir den Antrag auf Förderung des 2. Bauabschnitt stellen. Hier geht es dann um die Außenanlagen, um die entsprechenden Aktivangebote für die sportliche und Freizeitnutzung. Die Betätigungsmöglichkeiten sollen dabei ebenfalls wieder an moderne Ansprüche eines sanften Tourismus orientiert werden. Wir hoffen sehr, dass noch genügend Geld da sein wird, um auch dieses Projekt in den nächsten zwei Jahren zu realisieren.
Zu guter Letzt möchte ich allen Planern und Bauunternehmen für ihre Arbeit an diesem Hause danken. Es ist nicht selbstverständlich, ein Objekt wie geplant pünktlich zu übergeben. Ich danke auch meiner Verwaltung, insbesondere Frau Gläser, für die Umsetzung dieses ehrgeizigen Projektes. Auch ein Dankeschön soll an die Kämmerei gehen, die die finanzielle Abwicklung begleitete. Ein großes Dankeschön möchte ich unserem Ortsvorsteher Christoph Beetz entgegenbringen, der diesen Bau begleitete als würde er sein eigenes Eigenheim bauen.
Ich wünsche nun den neuen Betreibern, uns als Gemeinde und natürlich auch unserem gesamten Ort mit dem Ortsteil Carlsfeld, dass die Kurve der touristischen Entwicklung weiter nach oben geht. Ich wünsche mir auch, dass wir viele Leute finden, die Lust und Liebe zur Arbeit im Tourismus in den verschiedensten Arbeitsangeboten haben. Denn ohne sie wird es keine Entwicklung in unserer Region geben. Ich wünsche uns allen, dass das „Hirschkopfhaus“ Carlsfeld den Startschuss für eine neue Stufe der Entwicklung und somit auch den Beginn einer neuen Perspektive für Carlsfeld darstellt.
"Glück auf!"
Uwe Staab (Bürgermeister)




