Zu Weihnachten und zum Jahreswechsel
Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,
Was für ein Jahr! Wenn man die allgemeine doch sehr pessimistische Stimmungslage in Land und Welt betrachtet, möchte man meinen, alles Negative hätte um unseren Ort einen großen Bogen gemacht. Hinter uns liegen 12 Monate voller gelungener Veranstaltungen und in dem viele wichtige Projekte abgeschlossen wurden. So haben wir zu Ehren von Clara Angermann ein ganzes Festjahr gestaltet, in dem vielfältigste kulturelle Höhepunkte unser gemeindliches Leben bereichert haben und wo sich viele Menschen aller Altersgruppen sehr engagiert eingebracht haben. Die Liste der Aktivitäten ist sehr lang, daher möchte ich beispielhaft das Historienspiel „Hunger“, die Sonderausstellung im Schatzhaus, den historischen Markt, Claras Liedertour, das Rockevent „Clara meets Tabaluga“, das Musical „Clara“ und vieles andere mehr nennen. Historische Figuren aus der Zeit Clara Angermanns wurden im Rahmen des Holzbildhauersymposiums gestaltet. Besonders erfreulich ist die sehr kreative Aufnahme dieses Themas in den Schulen der Stadt. Hervorzuheben sind dabei die Namensgebung der „Grundschule Clara Angermann“ in Eibenstock und die Projektwoche in der Oberschule, ohne die vielen weiteren Aktivitäten nicht zu vergessen. Ich denke, es ist uns gelungen, dieser historische Persönlichkeit unseren jungen Mitbürgern nahe zu bringen und die eigene Stadtgeschichte bekannt bzw. bewusst zu machen. Ich möchte mich im Namen unserer Bürgerschaft und auch ganz persönlich bei allen bedanken, die vor und hinter den Kulissen mitgewirkt und viel Freizeit für die verschiedenen Projekte eingebracht haben. Es waren so viele, so dass ich hier und heute keine Einzelnen hervorheben möchte. Unser Ort hat wieder einmal gezeigt, wie viel Potential wir haben. Was ich auch als sehr positiv einordnen möchte, ist diese eine große Botschaft, die uns dieses Thema gebracht hat. Nämlich dass es immer wieder in unserer Geschichte Zeiten größter Not und Verzweiflung gab. Und wenn dann die Menschen sich den Realitäten Ihrer Zeit stellen, mit Mut und Engagement ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen, wenn sie durch Ideen und Fortschrittsdenken neue Wege gehen, wenn sie mit Gottvertrauen und Demut an den Erfolg glauben, dann wird sich ihr Leben und das der gesamten Gemeinschaft wieder zum Guten wenden. Das sollte uns in der heutigen Zeit Mut machen.
Man muss kein Prophet sein, um zu sehen, dass wir heute wieder in einer Zeit leben, in der der Rückgang der Wirtschaft unsere Lebensgrundlagen bedrohlich aushöhlt. So wie damals der Bergbau zusammenbrach und Missernten die Situation verschärften, verlieren wir heute landesweit jeden Tag Unternehmen und damit Arbeitsplätze. Das Geschäftsmodell Deutschland stand noch nie so infrage wie heute. In einigen Technologien haben wir den Anschluss verloren. Bei Rohstoffen und bei bestimmten Fertigungskomponenten wie beispielsweise Halbleiterchips oder Medikamente sind wir so abhängig von autokratischen oder korrupten Staaten, dass schon eine werteorientierte Äußerung eines hochrangigen Politikers ausreicht, um die Bänder eines Autowerkes in Deutschland stillstehen zu lassen. Es muss uns allen klar sein, dass wir ohne eine gesamtgesellschaftliche Strategie zur Minimierung unserer wirtschaftlichen Risiken bald sehr schnell absteigen werden. Dann werden uns auch keine Geldverteilungsdebatten mehr helfen, denn es wird kein Geld mehr zum Verteilen geben. Was dies für alle sozialen Sicherungssysteme bedeutet, brauche ich nicht weiter zu vertiefen. Arbeit und Leistung sind die Grundlage von Wohlstand, nicht mehr und nicht weniger. Deshalb müssen wir wieder zur Unabhängigkeit zurückfinden, als Gesellschaft die zunehmende Wirtschaftsfeindlichkeit ablegen und eigene Ressourcen aufschließen. Wir haben genügend Rohstoffe, doch wir nutzen diese nicht, weil uns andere Dinge wichtiger sind, als aus ihnen Wertschöpfung zu generieren. Wenn schon der Schattenwurf eines Bauzauns ein gesundheitliches Risiko darstellt, dann wird bald keiner mehr einen Bauzaun aufstellen wollen.
Auch in unserem Ort spüren wir bereits sehr deutlich, wohin wir steuern. Die demografische Entwicklung gibt Grund, sich Sorgen zu machen. Auch zeichnet sich ab, dass unsere Einnahmen dramatisch zurückgehen werden. Deshalb möchte ich uns alle ermutigen, den Geist von damals wieder in unsere Herzen zu lassen und Mut für neue Ideen zu haben. Lassen Sie uns alle gemeinsam weiter daran arbeiten, dass Menschen in unsere Region ziehen und dass wir unsere regionale Wertschöpfung an erste Stelle setzen. Glücklicherweise gehören zur Realität in unserem Ort viele positive Dinge. So können wir uns darüber freuen, dass wir trotz aller Krisen nochmals eine stabile finanzielle Lage hatten. 2025 war das erste Jahr, in dem wir als Stadt einen schuldenfreien Haushalt zum Abschluss bringen werden. Kommunale Projekte wie das Vereinshaus, das ehemalige Stadtambulatorium in Eibenstock, das Hirschkopfhaus in Carlsfeld und die Straßenbauvorhaben stehen für eine weiterhin gute Entwicklung. Mit den privaten Investitionen wie z.B. die Erweiterungen der Badegärten und des Touristenzentrum „Am Adlerfelsen“ sowie die neue Gießerei im „Gewerbebiet Am Sonneneck“ entstanden durch unsere Unternehmer neue Kerne für die Wertschöpfung im Ort. Darüber hinaus gelangen uns viele kleine Projekte, die überall in unserem Gemeindeterritorium sichtbar sind. Unser Dank gilt deshalb allen, die sich für die Entwicklung in unserem Ort einsetzen und die auf diese Weise für Lichtblicke sorgen.
Zu Weihnachten gedenken wir der besten Botschaft, die es je gegeben hat. Gott ist Mensch geworden und zu uns in die Welt gekommen. Er ist gekommen, um Frieden und Versöhnung zu bringen. Angesichts der immer noch andauernden Kriege wollen wir uns auch in diesem Jahr zu Weihnachten ganz besonders diese Botschaft zu Herzen nehmen. Es gibt überall auf der Welt Menschen, die unter Krieg, Repression und echter wirtschaftlicher Not leiden. Das sollte uns immer wieder bewusst und niemals gleichgültig sein, wenn wir unseren Alltag gestalten.
Ich bedanke mich im Namen unserer Bürgerschaft ganz besonders bei allen, die in Ehrenamt, in ihren Berufen und in ihren Familien unseren Ort, unsere Kultur und unsere Wirtschaft mitgestaltet haben. Ohne das gemeinschaftliche Wirken aller, wäre unser Ort heute nicht das, wofür er von außen so viel Wertschätzung bekommt. Freuen wir uns nun gemeinsam auf Weihnachten. Ich wünsche Ihnen und ihren Familien für das bevorstehende Weihnachtsfest und für das neue Jahr 2026 alles Gute, Gottes Segen sowie Glück, Gesundheit und Schaffenskraft.
Uwe Staab (Bürgermeister)




