AB 15/2020 - Modellprojekt zur Stärkung des Ehrenamts

Modellprojekt zur Stärkung des Ehrenamts

Die Ehrenamtsstrukturen in unseren Städten und Gemeinden sind eine wichtige Basis für das Funktionieren des kulturellen und sozialen Zusammenlebens. Das die Ehrenamtsstrukturen in den vergangenen Jahren einem gewissen Erosionsprozess ausgesetzt waren, ist niemanden verborgen geblieben. Fast jeder ehrenamtlich Tätige, der in einem Verein oder einer losen Kulturgruppe engagiert ist, weiß um die Probleme der Nachwuchsgewinnung und der Führungsstrukturen im Ehrenamt. Grund dafür ist zum einen die demographische Entwicklung und zum anderen sicherlich auch die sich ständig weiter verändernde Arbeitswelt der Menschen. Aus diesem Grunde hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gemeinsam mit dem deutschen Landkreistag bereits in 2019 ein Modellprojekt indiziert, das die modellhafte Erprobung zur Stärkung der Ehrenamtsstrukturen im ländlichen Raum zum Inhalt hat. Der Projektstart erfolgte zum 01.01.2020. Insgesamt sind 18 Landkreise mit jeweils einzelnen spezifischen Teilprojekten daran beteiligt. Auch der Erzgebirgskreis gehört zu den ausgewählten Landkreisen und hat ebenfalls bereits mit der Arbeit an diesem Projekt begonnen. Im letzten Auersbergboten erfolgte hierzu auch bereits eine entsprechende Information. Mit dem Ziel, eine Handreichung für alle Landkreise im Bundesgebiet zu erarbeiten, um ehrenamtliche Strukturen zu stabilisieren, haben wir als Kommune uns entschieden, dieses Projekt intensiv zu unterstützen. Grundvoraussetzung für die Entwicklung von entsprechenden Konzepten ist die Erfassung der bestehenden Ehrenamtsstrukturen. Ich möchte auf diesem Wege noch einmal darum bitten, dass alle Vereine und losen Kultur- bzw. Sportgruppen bzw. auch die in sozialen Strukturen engagierten Ehrenamtler ihre Unterstützung zur Erfassung geben. Im Anschluss daran wird eine gezielte Bedarfsentwicklung für die einzelnen Gemeinden und auf der Basis einer entsprechenden Umfrage durchgeführt. Weiterhin ist geplant, eine Informations- und Austauschplattform aufzubauen, Fortbildungen bzw. Schulungen zu organisieren und natürlich auch die Nachwuchsgewinnung in den einzelnen Strukturen zu unterstützen. Auch sollen die ehrenamtlichen Strukturen durch eine gezielte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mehr ins Bewusstsein der Menschen gerückt werden. Es ist sicherlich auch in unserer Stadt der Fall, dass ein gewisser Teil der Bevölkerung im Detail gar nicht weiß, welche Strukturen innerhalb der Ortschaften bestehen. Deshalb ist es immer gut, über die Strukturen zu informieren. 

Die wichtigste Aufgabe ist und bleibt die Gewinnung von Nachwuchs für die Ehrenamtsstrukturen. Es wurde schon unzählige Male darüber geschrieben und viele Vereine bemühen sich auch in ihrer Öffentlichkeitsarbeit dort voranzukommen. Einerseits ist es erforderlich, dass die Strukturen selbst auf die Menschen zugehen und sich in der Öffentlichkeit besser präsentieren. Andererseits wäre es auch gut, wenn Menschen, die Interesse an ehrenamtlicher Arbeit haben, sich an zentrale Stellen wenden und die vorhandenen Angebote auswählen können. Wichtig für die Zukunft ist auch der Aufbau von Strukturen, die die Daseinsvorsorge innerhalb der Gemeinde mit gestalten. Viele Grundaufgaben werden die Kommunen in den nächsten Jahren nur noch am Minimum orientierten Rahmen erfüllen können, da die finanzielle Basis zunehmend wegbricht. Viele Dinge werden nur noch über das Ehrenamt gelöst werden können.

Insofern ist es zu begrüßen, wenn durch dieses Modellprojekt hauptamtliche Strukturen aufgebaut werden können, die das Ehrenamt unterstützen bzw. bei der Koordinierung helfen. Ich hatte bereits mehrfach erwähnt, dass wir für einen Ort unserer Größenordnung mit etwas mehr als 7.000 Einwohnern, eine sehr breit gefächerte Vereins– und Gruppenstruktur haben. Wir können als Bürgergemeinschaft sehr stolz und dankbar über so viele ehrenamtlich tätige Menschen sein. Deshalb ist es wichtig, diese Strukturen zu erhalten und natürlich auch in einen dynamischen Generationswechselprozess hinein zu bringen. Insofern möchte ich insbesondere auch junge Leute ansprechen, sich zu engagieren und mitzuhelfen, in die Fußstapfen der gewachsenen Strukturen einzutreten. Dass wir hier genügend Potentials haben, zeigen auch die eine oder andere Neugründung von Vereinen oder Initiativgruppen in unserer Stadt. Der Umfang des ehrenamtlichen Engagements in einer Gemeinde ist ein wesentlicher Gradmesser dafür, wie lebenswert das Umfeld darin ist. Für Eibenstock und seinen Ortsteilen haben wir sehr gute Voraussetzungen. Die sollten wir nicht aufs Spiel setzen, sondern weiterentwickeln und stärken. Dazu ist sicherlich dieses Landkreisprojekt ein guter Ansatz, den es zu unterstützen gilt.
 

Uwe Staab
Bürgermeister