Brief aus dem Rathaus
| Ausgabe Eibenstocker Tageblatt Nr. 17/2010 |
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Abstriche bei der Vereinsförderung In den vergangenen Jahren konnte durch unsere solide Haushaltslage eine sehr großzügige Förderung der freiwilligen Aktivitäten, insbesondere auch der Vereine unserer Stadt, finanziert werden. Die Vereinsfördersatzung der Stadt ermöglichte allen ortsansässigen Vereinen eine verlässliche Unterstützung bei der Erfüllung ihrer Aufgaben und Projekte. Damit konnte es in allen Ortsteilen gelingen, ein sehr breit gefächertes kulturelles und sportliches Angebot vorzuhalten, worauf wir mit Recht sehr stolz sein können. Die Vereine leisten im Ort eine hervorragende Arbeit, für die es zu danken gilt. Doch auch die Stadt hat stets mit einer sehr progressiven Einstellung zu allen Aktivitäten für ein gutes Klima der Zusammenarbeit gesorgt. Bei zahlreichen Projekten war die Stadtverwaltung mittelbar oder unmittelbar beteiligt und hat im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützt. Eine nicht unwesentliche Rolle spielte in den vergangenen Jahren auch die breite Palette der Arbeitsmarktersatzmaßnahmen (ABM u.ä.), über die so manche Arbeitsstelle finanziert wurde, die viele Aktivitäten auch für Vereine überhaupt erst ermöglichte. Neben dem positiven Beschäftigungseffekt ist dadurch im Verlaufe der letzten zwei Jahrzehnte ein nicht unerheblicher Teil von Kaufkraft in unsere Stadt geflossen. Die Bilanz ist also sehr positiv. Dennoch muss man nun der Realität ins Auge schauen und sich für die zukünftigen Entwicklungen in geeigneter Weise aufstellen. Das im Altbundesgebiet über Jahrzehnte gewachsene traditionelle Verständnis zur Arbeit in den Vereinen musste ab 1990 im Osten neu aufgebaut werden. Dass dies nicht ohne eine öffentliche Förderung sowohl finanzieller als auch materieller Art geschehen kann, ist unbestritten. Nun aber geraten die Kommunen zunehmend unter Druck und können die bisherige Unterstützung nicht mehr im Gesamtumfang gewährleisten. Beispielsweise erbringt der Städtische Bauhof für die Gestaltung von Festlichkeiten, Wettkämpfen und auch bei der Vereinsstättenpflege enorme Sachleistungen, die zusammengerechnet für unser Gemeindeterritorium durchaus einen 6-stelligen Betrag ergeben. Diese binden vor allem im Sommerhalbjahr Arbeitskräfte und Technik in einem enormen zeitlichen Umfang. Es entsteht dabei ein Negativeffekt, der uns zunehmend Sorgen bereitet. Da die Arbeitsmarktersatz-maßnahmen deutlich zurückgehen, müssen viele Arbeiten von den fest angestellten Mitarbeitern der Stadtverwaltung übernommen werden. Dies geschieht ergänzend zu den eigentlichen Aufgaben, die zu erbringen sind. Natürlich fehlen diese Arbeitskräfte dann bei der Erfüllung der städtischen Pflichtaufgaben. Manche Reparatur bleibt liegen oder mancher Gully bleibt verschmutzt, weil wir in Sachen Kultur und Freizeit unterwegs sind. Letzteres soll auch weiterhin so bleiben, aber der Rahmen muss zukünftig genau abgesteckt werden. Dort, wo die Entlastung der Stadtverwaltung möglich ist, müssen wir Abstriche machen. Hier sehe ich im Besonderen bei der Pflege der Vereinsstätten große Möglichkeiten aufeinander zuzugehen. Was in den alten Bundesländern ohne Diskussion ist, nämlich dass gemeinnützige Stunden für die Erhaltung der Vereinsanlagen erbracht werden, muss auch bei uns Einzug finden. Dies erfordert viel Einsicht des Einzelnen zum Selbstverständnis bei einer Vereinsmitgliedschaft. Neben dem allgemeinen Vereinszweck sind natürlich auch die Unterhaltung der dazu notwendigen Anlagen Bestandteil einer engagierten Vereinsmitgliedschaft. Letztendlich ist es ja auch nicht zu vertreten, dass die Stadt und damit die Allgemeinheit bestimmte Bereiche des einzelnen Vereinslebens abdeckt. Zum gemeinschaftlichen Engagement wird es zukünftig keine Alternativen geben. Die Interessensgruppen müssen für die Beförderung ihres Interesses auch in die Pflicht gehen. Als Beispiel möchte ich hier ein eigens erlebtes System der Pflege touristischer Kleininfrastruktur, wie z. B. Parkbänke, Wanderschutzhütten, Wegweiser, Blumenrabatten und dergleichen, in einer kleinen Fremdenverkehrsgemeinde in den Alpen nennen. Hier organisieren die im Tourismusverein organisierten Vermieter die Pflege aller Anlagen. Es ist deren Interesse, ihren Gästen ein ordentliches Umfeld anzubieten, und weil die Gemeinde zu klein ist, gestalten sie mit. Viele andere Beispiele dieser Art ließen sich aufzählen. Auch in unserer Gemeinde findet man immer mehr Vereine, die in eigener Initiative alle Vereinsbelange selbst gestalten und auch finanzieren. Diese positiven Beispiele stimmen sehr optimisisch und bestätigen, dass es auch bei uns im Selbstverständnis des Vereinslebens einen großen Entwicklungssprung gegeben hat. Nun muss niemand befürchten, dass sich die Stadt zukünftig ganz aus ihrem Engagement zurück zieht. Ich werde in den nächsten Monaten intensiv mit Vereinsvorständen ins Gespräch kommen, um neue Ansätze für eine nachhaltige Entwicklung zu diskutieren. Es geht um die Zukunft unseres vielfältigen öffentlichen Lebens, was Eibenstock mit seinen Ortsteilen so lebens- und liebenswert macht. Die Erhaltung dieses hohen Gutes kann die Stadt nicht mehr wie bisher schultern, dies geht uns als Bürgerschaft insgesamt an. In den Gesprächen wird es um Aufgabenverteilungen und Verantwortlichkeiten gehen. Ich möchte heute bereits auf diese Thematik aufmerksam machen und hoffe sehr auf Ihre wohlwollende Unterstützung bzw. Mitarbeit. Uwe Staab (Bürgermeister) |






