Wildenthal / Oberwildenthal

Ortsteil Wildenthal mit Oberwildenthal

Wildenthal mit Oberwildenthal liegt im tief eingekerbten Tal der "Großen Bockau" in etwa 720 m ü. NN direkt am Fuße des 1.018 m hohen Auersberges. Der Ort wurde am 10. September 1598 als Hammerwerk von Graf Anarg Friedrich, Herr zu Wildenfels und Hauptmann des vogtländischen Kreises, gegründet. Nach mehrfachen Wechseln erwarb 1647 Michael Gottschald (auch Holzmichel genannt) das Wildenthaler Hammerwerk und erwirkte am 25. August 1655 ein neues Privileg des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen, in dem ihm ein Hochofen, ein Blechhammer und ein Zinnhaus sowie das Schlachten, Brauen, Backen und Schenken gegen Entrichtung der gewöhnlichen Trank- und Fleisch-Pfennigsteuer bewilligt wurde. Im Jahr 1830 bestand das Werk aus zwei Frischfeuern, einer Zainhütte, einer Blechhütte und wurde von fünf Meistern geleitet. 1835 kamen ein Blechwalzwerk und die erste Nagelfabrik Sachsens dazu. 1836 geht Wildenthal an Herrn von Querfurth auf Schönheiderhammer über. In deren Besitz blieb wohl das Hammerwerk bis zu dessen Niedergang. Noch heute erinnert das Wildenthaler Hammerfest am 2. Wochenende im August an die lange Hammerwerkstradition des Ortes. Am 1. Januar 1994 erfolgte die Eingemeindung Wildenthals mit Oberwildenthal, einer ehemaligen sächsischen Zollstation am Wildenthal-Hirschenstander Pass, nach Eibenstock.

Aus touristischer Sicht gilt Wildenthal als erste "Sommerfrische" im westlichen Erzgebirge. 1860 kam als erster Sommergast, der Theologe und spätere Professor für Geografie an der Universität Leipzig, Dr. Otto Delitsch nach Wildenthal. Seine Aufsätze haben den Reise- und Wanderverkehr wesentlich gefördert. Nicht zuletzt deswegen kam es gerade hier, am Fuße des Auersberges, schon 1877 zur Idee, den Erzgebirgsverein als einen touristischen Verein für das gesamte Erzgebirge zu gründen. Besonders der Aufstieg zum 1.018 m hohen Auersberg hat eine lange Tradition, die vielfach auch von sächsischen Königen und Kurfürsten wahrgenommen wurde. Auch Johann Wolfgang von Goehte war hier unterwegs; er wählte u.a. seine Route ins böhmische Karlsbad durch dieses herrliche "wilde" Tal. Bald nutzten immer mehr Fahrgäste die 1819 eingerichtete Extrapostroute über den Wildenthal-Hirschenstander Pass (939 m ü. NN), die 1837 zur Eilpostlinie Zwickau-Eibenstock-Karlsbad aufgewertet wurde.

Heute ist diese Strecke bekannt als "Karlsroute" und ein beliebter Wander- und Radwanderweg der, vom Ortsteil Blauenthal durch das tief eingeschnittene Tal der "Großen Bockau" kommend, von Wildenthal über Oberwildenthal hinauf zur Grenze am Pass und weiter hinab bis zur böhmischen Bädermetropole Karlovy Vary (Karlsbad) führt.